Was die Europameisterschaft angeht, hoffe ich, dass Polen in Gruppe A erster wird und Deutschland in Gruppe B zweiter. Oder umgekehrt, also Deutschland erster in Gruppe B und Polen zweiter in Gruppe A. In einem dieser Fälle träfen dann die beiden Länder zum Viertelfinale in Danzig oder Warschau aufeinander. Das könnte dem Klimaschutz in Europa helfen.

Wer sich dann nämlich auch träfe, auf der Promi-Bank, wären der polnische Ministerpräsident Donald Tusk und die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bis zum Elfmeterschießen kann man viel besprechen. Die Zukunft des europäischen Klimaschutzes zum Beispiel. Denn: Mauern beim Fussball - meinetwegen. Beim Klimaschutz aber ist das schlimm. Da hat Angela Merkel mit ihrem Kollegen noch ein Hühnchen zu rupfen.

Bereits im März hatte die polnische Regierung verhindert, dass Europa sich auf die Meilensteine des EU-Klimaschutzfahrplans bis 2050 einigt - alleine gegen die übrigen 26 EU-Mitgliedsstaaten. Jetzt kickte die polnische Regierung den Klimaschutz erneut von der Tagesordnung des Ratstreffens der EU-Umweltminister am 11. Juni 2012 – nach dem die Deutschen das Thema hatten draufsetzen lassen, um zumindest zu klären, wie die Debatte um den EU-Klimaschutzfahrplan weitergeführt werden soll. Sinnlos, bekräftigte Donald Tusk letzte Woche beim Zusammentreffen mit Angela Merkel am Rande der turnusmäßigen Konferenz der Ostsee-Anrainerstaaten, denn: wir werden uns eh nicht bewegen. Welche Ironie, kritisieren die Kollegen von Germanwatch, dass Polen sich hier „an den äußersten Rand Europas stellt“ und trotzdem Donald Tusk, ebenfalls letzte Woche, für seine Leistungen zur europäischen Integration den Walter-Rathenau-Preis verliehen bekam.

Frau Merkel, packen Sie jetzt mal richtig an: Deutsche Umwelt- und Entwicklungsorganisationen fordern von der Bundeskanzlerin, die Anhebung des EU-Klimaschutzziels auf 30 Prozent Treibhausgasreduktionen durchzusetzen.

Nun ist es nicht so, dass die gesamte Bundesregierung verstanden hätte, dass konsequenter Klimaschutz eine wichtige Zukunftsinvestition ist. Das Wirtschaftsministerium beispielsweise bekämpft in Brüssel eine Richtlinie für den effizienteren Umgang mit Energie. Zunächst hatte das Ministerium dabei lange Zeit verbindliche Effizienzziele für 2020 blockiert. Inzwischen ist man auf die Idee verfallen, einfach Effizienzsteigerungen aus der Vergangenheit anzurechnen. Anders ausgedrückt: statt dass Deutschland in den sparsameren Umgang mit Energie investiert, sollen die Statistiker im Wirtschaftsministerium das Ziel mit dem Rechenschieber zurechtbiegen.

Gleichwohl hat die Bundesregierung wohl erkannt, dass mit der Energiewende jetzt schon eines der zentralen Wahlkampfthemen 2013 feststeht. Dabei wird es nicht nur um Stromnetze und neuen Leitungen gehen, sondern auch um das Funktionieren des Emissionshandels, der über handelbare Verschmutzungsrechte eigentlich Investitionen in den Klimaschutz lohnenswert machen soll – es aber nicht tut, weil Milliarden überschüssiger CO2-Zertifikate den Preis für diese Verschmutzungsrechte in den Keller drücken. Um dem zu begegnen, müsste das Angebot erheblich verknappt werden – durch eine Anhebung des EU-Klimaschutzziels von bisher 20 Prozent auf 30 Prozent Treibhausgasreduktionen bis 2020 (wie es inzwischen auch das Umweltbundesamt fordert).

Am Rande der erwähnten Ostsee-Konferenz hatte Donald Tusk aber doch noch eine Hoffnung parat: Bis zum Herbst brauche Polen eine Denkpause. Dann aber könne man vielleicht einen erneuten Anlauf wagen. Darauf sollte Angela Merkel ihren Amtskollegen im Viertelfinale festnageln, damit die EU am Ende des Jahres ihr neues Klimaschutzziel wie vorgesehen in das Kyoto-Protokoll eintragen lassen kann.

Gruppe C und D sind mir übrigens wurscht. Das heißt, als Klimaschützer bin ich natürlich für Schweden. Deswegen.

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