„Wassermangel, Stromausfall, Granatwerferfeuer, Tod, Inflation, Kämpfe, Bombardierung – das ist unser Alltag“, erzählt Majd (Name geändert), 26, aus West-Aleppo. „Gehen oder Bleiben – diese Frage stelle ich mir jeden Tag. Menschen sterben nur ein paar Kilometer entfernt, die Situation ist bedrückend. Wir wollen das Ende dieses Krieges. Ich wollte das Land nicht verlassen, denn wenn wir alle gehen, wer wird es dann wieder aufbauen? Wer wird sich um die Verwundeten kümmern? Nun habe ich aber alle Hoffnung verloren und packe meine Koffer.“

Die Situation vieler Menschen in der nordwestsyrischen Stadt Aleppo ist schrecklich. Infolge der Luftangriffe der letzten Tage ist die Wasserversorgung weitgehend zusammengebrochen, die hygienischen Bedingungen sind katastrophal. Im Osten der Stadt wurde das Wasserwerk Bab al-Nairab, das 20 Prozent des benötigten Trinkwassers in Aleppo bereitstellt, durch Bomben beschädigt. Daraufhin schnitten bewaffnete Oppositionsgruppen, die ein anderes Wasserwerk (Suleiman Al-Halabi) kontrollieren, zeitweilig die Wasserversorgung der Innenstadt ab. Viele Menschen mussten sich mit verschmutztem Wasser aus dem Qwaik-Fluss und den Brunnen der Stadt versorgen.

Wasser- und Sanitärversorgung

Zwar fließt das Wasser aus dem Werk Suleiman Al-Halabi nach einer Reihe von Verhandlungen wieder, Bab al-Nairab ist jedoch weiterhin nur teilweise in Betrieb. Oxfam arbeitet dabei mit, Teile der Wasserversorgung wieder herzustellen. Dabei stimmt sich Oxfam mit örtlichen Akteuren über das weitere Vorgehen ab. Ziel ist es, das Wasserwerk wieder voll funktionstüchtig zu machen.

Zudem leben viele der Menschen, die in den Westteil der Stadt geflohen sind, in notdürftigen Unterkünften, in Schulen, in Zelten, in Parks – ohne ausreichenden Zugang zu sauberem Trinkwasser. Um auch sie zu erreichen, plant Oxfam, Wasser mit Tanklastern in die betroffenen Gebiete zu bringen sowie dort Wassertanks und Kanister bereitzustellen. Oxfam hat in Aleppo schon vorher Wasseraufbereitungsanlagen, Wassertanks für Schulen und Brunnen gebaut und an das Wassernetz angeschlossen. Oxfam sorgt auch dafür, dass sie gewartet und repariert werden, damit sie funktionstüchtig bleiben.

Hygienische Bedingungen

Nicht nur die Trinkwasserversorgung, auch die hygienischen Bedingungen sind ein großes Problem. Sobald die Sicherheitslage es zulässt, wird Oxfam Tausende Familien-Hygienesets verteilen, die in Lagern vor Ort bereitstehen.

Schon im August hat Oxfam in einem Park, in dem sich viele Menschen behelfsmäßig niedergelassen haben, vier Latrinen errichtet. Wir prüfen nun, ob weitere gebaut werden können. Auch in anderen Teilen Aleppos, die nun mitten in der Konfliktzone liegen, hatte Oxfam zuvor Hygieneeinrichtungen aufgestellt. Sobald sie wieder zugänglich sind, werden wir gemeinsam mit lokalen Partnern nötige Reparaturen vornehmen.

Angriffe auf zivile Infrastruktur stoppen!

Oxfam fordert einen sofortigen und vollständigen Waffenstillstand in Aleppo. Durch die Kämpfe können Hilfsorganisationen die Bevölkerung nicht mit lebensnotwendigen Gütern versorgen. Zumindest wäre eine Feuerpause nötig, um Nahrungsmittel und Wasser zu liefern, eine medizinische Versorgung sicherzustellen, Schäden an der Infrastruktur abzuschätzen sowie Kranke und Verwundete zu evakuieren.

Alle Kriegsparteien müssen sicherstellen, dass die Zivilbevölkerung und zivile Infrastruktur nicht Ziel von Angriffen werden. Wasser, Strom und andere grundlegende Infrastrukturgüter dürfen keinesfalls für militärische oder politische Zwecke missbraucht werden.

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