Seit mehr als sechs Jahren warten die Kleinbäuerin Rathnamali Kariyawasam und ihre Familie darauf, endlich auf ihr Land zurückzukehren. Rathnamali lebt in Panama, einer Gemeinde im Osten Sri Lankas. Es ist eine idyllische Region mit fruchtbarem Land und fischreichen Lagunen. Und eine Region mit traumhaften Stränden und beliebten Surfgebieten – beliebt vor allem bei Touristen, die ins Land kommen und Profit bringen.

In der Nacht des 17. Juli 2010 kam das Militär und vertrieb Rathnamali mit ihrer Familie von ihrem Land – ebenso wie 350 weitere Familien aus fünf Dörfern in der Gemeinde Panama. Eine Militärbasis und ein Hotel sollten auf ihrem Land gebaut werden. Seit Jahrzehnten bewohnten und bewirtschafteten die Familien das Land, gingen auf Fischfang in der Lagune und konnten gut davon leben. Jetzt wurden sie gewaltsam vertrieben, insgesamt 147 Hektar Land wurden der Gemeinde entrissen. Die Lagune sollte zur Landebahn für Wasserflugzeuge werden, um die Touristen bequem zu den Hotelanlagen zu bringen.

Abgeriegeltes Gebiet mit Militärposten

Den Familien wurde damit nicht nur die Heimat genommen, sondern ihre Lebensgrundlage: Zäune wurden errichtet, die sie daran hinderten, ihr Land zu bewirtschaften oder zur Lagune zu gelangen. Das Areal ist komplett abgeriegelt – der einzige Weg hinein führt über eine Zufahrtsstraße, die mit einem militärischen Checkpoint gesichert ist.

Die Vertriebenen mussten bei Familienangehörigen in angrenzenden Dörfern unterkommen. Konnten sie sich zuvor selbst versorgen und ein gutes Leben führen, lebten sie plötzlich unter prekären Bedingungen und waren auf die Hilfe ihrer Verwandten angewiesen. Einigen Familien wurde im letzten Jahr Ersatzland angeboten. Dies liegt jedoch weitab vom Meer in einem unbewohnten Waldgebiet, das zudem von Elefanten durchkreuzt wird.

Und selbst für jene Familien, die Land pachteten, wie die Rathnamalis, reicht es nicht zum Leben. Sie müssen Lebensmittel zukaufen, mit Geld, das sie kaum haben und das ihnen an anderer Stelle fehlt, zum Beispiel für den Schulbesuch ihrer Kinder.

Kampf um Land und Recht

Die Menschen taten alles, um ihr Land zurückzubekommen: Sie gingen zu den Behörden, organisierten friedliche Proteste und strengten einen Prozess bei der nationalen Menschenrechtskommission in Ampara an – unterstützt von Oxfam und PARL (People’s Alliance for the Right to Land). Und obwohl sie Drohungen erhielten und man versuchte, sie einzuschüchtern, ließen sie nicht locker und kämpften um ihr Land und ihr Recht.

Ihr Einsatz und ihr Mut schienen sich zu lohnen: Im Februar 2015 entschieden der neu gewählte Präsident und das Kabinett, 137 der 147 Hektar an die Gemeinschaft zurückzugeben – passiert ist bis heute nichts.

Oxfam Deutschland berichtete im September 2016 von Rathnamli und ihrer Familie und startete eine Petition, um die Menschen im Kampf um ihre Rechte zu unterstützen. Fast 20.000 Menschen haben die Petition unterzeichnet und fordern die Regierung Sri Lankas auf, den 350 Familien ihr Land endlich zurückzugeben und ihre Landrechte anzuerkennen.

Schrittweise Rückeroberung

Der zurückgekehrte Kleinbauer P.M. Bandara auf seinem Grundstück in Panama. Im Hintergrund Militärbungalows.
Der zurückgekehrte Kleinbauer P.M. Bandara auf seinem Grundstück in Panama. Im Hintergrund Militärbungalows.

Auch die Menschen selbst kämpfen weiter. Bekommen sie ihr Land auch nicht offiziell zurück, so holen sie es sich doch Stück für Stück wieder: Im März 2016 drangen einige der ehemaligen Bewohner/innen auf das Areal vor und besetzten ihre Grundstücke.

Zwar droht ihnen seitdem die Zwangsräumung und sie  müssen jedes Mal durch den Checkpoint, wenn sie das Gelände verlassen oder wieder zurück wollen. Zwar haben sie stets die Militärbasis und die halb fertiggestellten Hotelanlagen in Sichtweite. Zwar bleibt die Lage angespannt und es ist aufgrund der fortwährenden Rechtsunsicherheit für sie zu riskant, feste Häuser zu bauen. Aber sie haben sich Verschläge gebaut, in denen sie wohnen können, sie übernachten auf ihrem Land, und sie haben bereits wieder begonnen, auf dem Land Felder anzulegen. Mit Mut und Beharrlichkeit erobern sie sich ihr Land zurück.

Oxfams Unterstützung

Vertriebene Dorfälteste im Juli 2016 auf ihrem Land.
Vertriebene Dorfälteste im Juli 2016 auf ihrem Land.

Gemeinsam mit lokalen Partnern unterstützt Oxfam die Menschen bei der Durchsetzung ihrer Rechte – auch bei dieser friedlichen Landnahme. Ende 2016 startete Oxfam ein fünfjähriges Projekt zur Unterstützung der Menschen in Panama und vieler weiterer Familien, die im Osten und Norden Sri Lankas ihr Land auf ähnliche Weise verloren haben. In Panama finden einige der Aktivitäten des Projektes – wie Beratungen zu den individuellen Landrechtsfällen und Schulungen zu den Rechten der Bevölkerung – auf dem zurückeroberten Land statt und unterstreichen so die Anerkennung der Landrechte. Geplant sind zudem Rechtsberatung und weiteres Lobbying in Richtung der staatlichen Stellen zur Rückgabe des Landes.

Um auch auf anderer Ebene Druck zu machen, hat Oxfam zudem im Oktober 2016 in Colombo, der Hauptstadt Sri Lankas, eine Klage gegen die gewaltsame Vertreibung und für die ausstehende Rückgabe des Landes eingereicht.

Es sind kleine Schritte in Richtung einer Sicherung der Landrechte, und es ist eine lange Zeit, die die Menschen bereits dafür kämpfen. Aber sie kämpfen weiter, und vielleicht können Rathnamalis Familie und die 350 anderen bald wieder ganz zurück auf ihr Land, in ihr Zuhause und in ein selbstbestimmtes Leben. Wir unterstützen sie weiterhin dabei.

 

Landraub ist kein Einzelfall

Die Landnahme in Panama ist kein Einzelfall. In Honduras beispielweise werden indigene Gruppen vertrieben, um Platz für die Palmöl-Produktion zu schaffen. Wie in Sri Lanka sind hier außerdem Hotelprojekte an den wunderschönen Stränden ein Grund für Vertreibung. Wer sich gegen die Enteignung auflehnt, muss um sein Leben fürchten: Die Ermordung der honduranischen Landrechts-Aktivistin Berta Cáceres, die gegen ein Fließwasserkraftwerk protestierte, sorgte im März 2016 für Entsetzen. Im Schnitt wird weltweit alle drei Tage ein/e Landrechts-Aktivist/in getötet.

Oxfam hat zum Thema Landraub den Bericht „Custodians of the land, Defenders of our future“ (englisch) veröffentlicht, in dem außer Sri Lanka noch weitere Fälle beleuchtet werden.

 

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