Die DZ Bank – das Zentralinstitut der Volks- und Raiffeisenbanken – und ihre Tochter Union Investment haben öffentlich ihren vollständigen Ausstieg aus der Nahrungsmittelspekulation erklärt.

Oxfam begrüßt die Entscheidung des viertgrößten deutschen Finanzinstituts, sich aus den risikoreichen Anlagen in Agrarrohstoffen zurückzuziehen. Der Ausstieg der DZ Bank zeigt, dass sie das Vorsorgeprinzip anwendet und Risiken für in Armut lebende Menschen durch Anlageprodukte, die starke Preisschwankungen und damit das Hungerrisiko für die Armen verschärfen, ernst nimmt.

Der Vorstand Lars Hille plädierte in einem Brief an Foodwatch für die strengere Regulierung der Finanz- und Rohstoffmärkte, beispielweise durch „die Einführung wirksamer Positionslimits an den Börsen“. Darüber hinaus befürwortet das Institut die wissenschaftliche Erforschung der Investitionen in Agrarrohstoffe. Union Investment unterstützt diese Forschung durch eine strategische Kooperation mit Professor Joachim von Braun.

Öffentliche Kritik zeigt Wirkung

Mit ihrem Ausstieg folgen die Volks- und Raiffeisenbanken einer Reihe von europäischen Banken und Finanzinstituten, die sich in den vergangenen anderthalb Jahren aus dem Geschäft mit dem Hunger zurückgezogen haben. Neben Deka, Commerzbank, der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und einigen französischen Banken hatte im August 2012 bereits die österreichische Volksbanken-AG (ÖVAG) alle Anlageprodukte vom Markt genommen, die auf Agrarrohstoffen basieren.

Die Hardliner Allianz und Deutsche Bank geraten unter Druck

Die beiden größten deutschen Nahrungsmittelspekulanten – Allianz und Deutsche Bank – halten jedoch trotz öffentlicher Kritik und zahlreicher Belege für die Risiken bestimmter Finanzprodukte an dem Geschäft mit dem Hunger fest. 2012 legte die Allianz 6,7 Milliarden Euro und die Deutsche Bank 3,7 Milliarden Euro in Agrarrohstoffen an. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen ist diese Haltung kaum mehr nachzuvollziehen. „Beide Konzerne kennen die Risiken, doch der Profit geht anscheinend vor. Allianz und Deutsche Bank handeln in höchstem Maße unverantwortlich“, sagte Oxfams Experte David Hachfeld.

Auch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz (BMELV) findet klare Worte zum Ausstieg der DZ Bank und kritisiert die unverbesserlichen Hardliner: „Die Entscheidung ist zu begrüßen und setzt ein klares Signal. Es ist  wichtig, dass ein klarer Trennstrich gezogen wird zwischen verantwortungsvollen Investitionen, die hilfreich sind im Kampf gegen den Hunger, und Transaktionen, die Preisschwankungen verstärken können. Solche Transaktionen haben auf den Agrarrohstoffmärkten nichts zu suchen. Wer als großes Geldinstitut angesichts von fast 900 Millionen hungernden Menschen auf der Welt hier keinen Unterschied macht, handelt verantwortungslos.“

Gemeinsam wollen wir Allianz, Deutsche Bank und Co. dazu bewegen, endlich aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln auszusteigen.

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