Die Anzahl der Menschen, die innerhalb und außerhalb Syriens auf Hilfe angewiesen sind, steigt dramatisch an, doch die Finanzierung hält nicht Schritt. Die Nothilfeaufrufe der UN und des Roten Kreuzes für Syrien und von der Krise betroffene Nachbarstaaten sind im ersten Quartal 2015 nur zu 9,8% finanziert.

Mehr Geld für Nothilfe benötigt

Am kommenden Dienstag treffen sich internationale Geberstaaten in Kuwait, um über die weitere Bereitstellung von Mitteln zu beraten. Oxfam fordert, deutlich mehr Gelder als bei der letztjährigen Konferenz zu mobilisieren, als die damaligen Nothilfeaufrufe nur zu 62,5% finanziert werden konnten. Andernfalls wären die Folgen für Millionen Syrerinnen und Syrer sowie für viele Einwohner von  Nachbarländern wie Jordanien oder dem Libanon verheerend, da auch dort die Lebensverhältnisse als Folge der Krise immer schwieriger werden.

2015 werden rund 8,7 Milliarden US-Dollar benötigt, um 18 Millionen Menschen in Syrien und in benachbarten Ländern angemessen zu unterstützen. In den letzten Monaten mussten UN-Organisationen bereits aus Geldmangel lebensnotwendige Hilfsmaßnahmen einsparen, und viele Flüchtlinge sahen sich in ihrer Verzweiflung gezwungen, ausbeuterische Arbeit anzunehmen oder ihre Kinder zu verheiraten.

„Gerechter Anteil“ gefordert

Oxfam hat aus Anlass der Kuwaiter Konferenz berechnet, dass im Jahr 2014 etwa die Hälfte der internationalen Geberstaaten nicht ihren „gerechten Anteil“ – gemessen anhand ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit –  an der Nothilfefinanzierung geleistet haben. Darunter sind Russland (nur 7%), Australien (nur 28%) und Japan (nur 29%). Unter den Regierungen, die im vergangenen Jahr Mittel in angemessener Höhe oder mehr aufgewendet haben, sind Kuwait (1.107%), die Vereinigten Arabischen Emirate (391%), Norwegen (254%), Großbritannien (166%) und Deutschland (111%).

Mehr Flüchtlinge aufnehmen

Wohlhabende Länder vor allem in Europa sollten dringend auch mehr Flüchtlinge aufnehmen. Die dramatischen Bilder von Flüchtlingen, die ihr Leben bei gefährlichen Überfahrten übers Mittelmeer aufs Spiel setzen, führen dies beinahe täglich vor Augen. Oxfam hat bereits im vergangenen Jahr gemeinsam mit anderen internationalen Hilfsorganisationen an wohlhabende Staaten außerhalb der Region appelliert, bis Ende 2015 fünf Prozent der am meisten bedrohten Flüchtlinge aufzunehmen. Bislang gibt es jedoch nur Zusagen für weniger als zwei Prozent der 3,9 Millionen in Frage kommenden Flüchtlinge, noch dazu ohne einen klaren Zeitrahmen.

Unter den Staaten, die weniger als 10 Prozent des von Oxfam errechneten gerechten Anteils für die Aufnahme von Flüchtlingen erfüllt haben, sind Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Polen. Deutschland hat zwar seinen Anteil mit 200 Prozent übererfüllt, doch es hat bereits während der Balkankriege in den Neunzigerjahren bewiesen, dass es in der Lage ist, wesentlich mehr Flüchtlinge aufzunehmen.

Konfliktlösung vorantreiben

Schließlich gilt es, einen neuen Anlauf für eine friedliche Lösung der Krise zu unternehmen und einen neuen politischen Prozess auf der Basis des Genfer Kommuniqués von 2012 anzustoßen. Auch dürfen Regierungen die Gewalt nicht noch weiter anheizen und müssen sämtliche Lieferungen von Waffen und Munition nach Syrien unterlassen.

Zum Herunterladen: Oxfam-Berechnung der „gerechten Anteile“ und die Übersicht über die zugesagten Zahlungen der Geberstaaten