Als ich am Montagabend die Entscheidung gegen die Verlängerung des Waffen-Embargos für Syrien gehört habe, konnte ich es nicht fassen: Dies ist kein Anzeichen für das Nicht-Funktionieren einer abgestimmten EU-Außenpolitik, sondern eine Entscheidung gegen humanitäre Prinzipien. Wie sollen mehr Waffen einen fast ausweglos erscheinenden Konflikt lösen? Es gibt bereits mehr als 80.000 Tote und sieben Millionen vom Krieg Betroffene.

Für manche mag es ein Lichtblick sein, dass Franzosen und Briten mit ihren Waffenlieferungen nicht vor der Friedens-Konferenz zu Syrien beginnen wollen, die in den nächsten Wochen in Genf stattfinden soll. Sie setzen auf den politischen Druck, den schon diese Ankündigung erzeugen soll. Aber beruhigend ist auch das nicht. Was ist, wenn die Konferenz zu keiner politischen Lösung führt? Wenn die Waffen dann in ein zerrissenes Land kommen, ist das Risiko groß, dass mit ihnen der Krieg heftig weiter geführt wird. Dass es noch mehr Opfer unter der Zivilbevölkerung gibt und es wieder zur Verletzung von Menschenrechten auf allen Seiten kommt. Die Gefahr einer Rüstungsspirale besteht weiter. Keiner weiß, ob die Waffenlieferanten Assads, wie z.B. Russland, sich dann in der Pflicht fühlen, ebenfalls tonnenweise Waffen in die Konfliktgebiete zu senden.

Oxfam ruft alle Kriegsparteien in Syrien zu Waffenstillstand und Verhandlungen auf. Die Kriegshandlungen gefährden täglich auch die Hilfseinsätze der zahlreichen Organisationen in und um Syrien. Es wäre dem Friedensprozess zuträglicher gewesen, die Gelder, die jetzt möglicherweise für den Waffenkauf eingesetzt werden, für die humanitäre Hilfe bereitzustellen.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei all denen bedanken, die inzwischen für die Arbeit von Oxfam für die Betroffenen des syrischen Bürgerkriegs gespendet haben. Es fällt immer schwer Geld zu geben für einen Konflikt, in dem die Grenze zwischen Opfern und Tätern manchmal verschwimmen. Daher freut es mich sehr, dass wir nun die Arbeit in den Flüchtlingscamps in Jordanien und im Libanon weiter fortsetzen können.

2 Kommentare

Sehr geehrte Frau Lieser,
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mich beschäftigt die Situation in Syrien bereits seit einiger Zeit, und mit großem Unverständnis nehme auch ich das gewissenlos-geschäftstüchtige Tun bzw. berechnend-zögerliche Nicht-Tun der Regierungen zur Kenntnis. Dass private Hilfsorganisationen hier einen wirkungsvollen Unterschied machen, beweist Oxfam aktuell in Syrien. Hochachtung vor Ihrer Arbeit!
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Ich habe auch eine Frage. Wie ich lese, fokussiert sich Oxfam auf die Versorgung von syrischen Flüchtlingen im Libanon und in Jordanien. Nun höre ich im Radio Meldungen darüber, dass in Flüchtlingslagern junge Männer von Dschihadisten für den Krieg in ihrem Heimatland rekrutiert werden. Heiratsvermittlerinnen nutzen die aussichtslose, arme Lage der Eltern und werben im Auftrag reicher Saudis junge Frauen von ihren Eltern ab. Beides hat mich über alle Maßen schockiert! Leider ging aus den Radiobeiträgen nicht hervor, ob etwas oder wer und was dagegen getan wird. Vielleicht wissen Sie mehr? Ist Oxfam hier auch aktiv?
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Viele Grüße<br />
Christopher Stolzenberg

Sehr geehrter Herr Stolzenberg, das Lob für unsere Arbeit hat mich wirklich sehr gefreut.
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Sie können sich sicher vorstellen, dass die Arbeit in den Flüchtlingscamps in Jordanien und im Libanon nicht immer einfach ist. Oft ist die Verteilung von Hilfsgütern wegen fehlender Mittel gefährdet und die Camps liegen in von Natur aus wasserarmen Regionen, so dass die Beschaffung von ausreichend Wasser ebenfalls viel Aufmerksamkeit erfordert. Da treten Probleme wie das Anwerben von Kämpfern oder die Zwangsverheiratung zunächst als Thema nicht in den Vordergrund. Und wir haben dazu auch nur vereinzelte Berichte.
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Uns geht es bei den Hilfsmaßnahmen immer auch darum, die Menschen in ihrer Situation zu stärken und den Aufbau einer selbständigen Existenz zu unterstützen. Damit sie eben in ihrer Verzweiflung weder aus Geldnot zum Kämpfer oder zur Kämpferin werden und dass Frauen und Mädchen weiterhin wählen können, ob, wann und wen sie heiraten wollen. Im Libanon arbeiten wir mit einer Organisation zusammen, die Frauen und Mädchen, denen die Zwangsheirat droht, Rechtsberatung bietet. Das ist ein kleiner Schritt, der denen helfen kann, die sich mit der Bitte um Hilfe an uns wenden. Doch mir ist auch klar, dass die Menschen in den Camps schon viel Fürchterliches erlebt haben und ihr Vertrauen in die Gesellschaft sicher nachhaltig erschüttert ist. So wird wahrscheinlich nur ein kleiner Teil der Betroffenen solche Angebote in Anspruch nehmen können.
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Viele Grüße<br />
Marion Lieser

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