„Als wir sahen, wie unsere Schule zerbombt wurde, dachten wir, sie haben alle Schulen auf der ganzen Welt zerstört“. Was die 12jährige Shatha hier meiner Oxfam-Kollegin Jane Beesley erzählt, schnürt mir die Kehle zu. Wie tief ist das Grundvertrauen syrischer Kinder in diese Welt zerrüttet, wie vernarbt sind die Seelen derjenigen, die das Bomben und Morden überleben? Auch der Junge, der in einem Krankenhaus in Aleppo am Bett seines schwer verletzten kleinen Bruders sitzt, wird nie wieder unbeschwert spielen können.

Schwarze Seite als Hingucker

Alle wünschen sich ein Ende dieses Krieges in Syrien – niemand will neue schlechte Nachrichten hören. Doch wir dürfen die Menschen, die in diesem Krieg alles verloren haben, nicht vergessen. Daher haben wir uns – wie  28 andere deutsche Hilfsorganisationen auch – entschieden, heute unsere Homepage mit einer schwarzen Seite zu versehen. Unter dem Motto „STOPP. Schau hin!“ ist dort der Film zu sehen, in dem der Junge am Bett seines gerade medizinisch behandelten, bandagierten kleinen Bruders sitzt.

Zwei Drittel der Flüchtlinge aus Syrien sind Frauen und Kinder. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung ist durch den Krieg gezwungen worden Häuser und Wohnungen zu verlassen. Sie warten auf Frieden und die Heimkehr. Und das unter erbärmlichen Zuständen. Shatha lebt mit ihrer Familie in einem Rohbau im Libanon. Sie weine jeden Tag, weil sie nicht zur Schule gehen könne, erzählt ihre Mutter. Sie weine, weil sie noch nicht einmal Papier und Stifte habe und weil sie die englischen Vokabeln, auf die sie so stolz war, langsam vergisst.

Rohbau mit Schutt und Ratten

Ich habe an dieser Stelle schon einmal um Spenden für Syrien geworben. Es gibt in diesem Krieg keine klare Grenze zwischen Opfern und Tätern. Das macht das Geben so schwer. Doch Schicksale wie das von Shatha zeigen, dass der Krieg Errungenschaften wie die Bildung einer ganzen Generation in Gefahr bringt. Und damit ihre Zukunft.

Die furchtbaren Kriegserlebnisse kann man nicht mehr ungeschehen machen. Es ist in den vergangenen Jahren bereits viel Hilfe geleistet worden. Doch wir müssen uns weiterhin engagieren, weiterhin unserer Verbundenheit mit den unschuldig von diesem Krieg Betroffenen Ausdruck verleihen. Denn wenigstens die Sorgen um Nahrung, Unterkunft oder medizinische Versorgung können wir mit unserer Nothilfe mildern. Darauf soll die schwarze Seite heute aufmerksam machen.

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