2014: Die afrikanische Landwirtschaft steht am Scheideweg

Von Marita Wiggerthale
(c) Abbie Trayler-Smith

Diese Tage geht es viel um Afrika. Entwicklungsminister Müller will ein neues entwicklungspolitisches Afrika-Konzept ausarbeiten. Deutschland werde sich noch mehr auf Afrika konzentrieren als bisher schon. Das "Umfassende Landwirtschaftliche Entwicklungsprogramm für Afrika" (CAADP) wird zehn Jahre alt. Und die afrikanischen Staats- und Regierungschefs kommen morgen in Äthiopien zusammen, um feierlich das „Afrikanische Jahr der Landwirtschaft und der Ernährungssicherung“ einzuläuten. In diesem Jahr wird die Afrikanische Union auch ihren Plan “Sustaining the CAADP momentum” vorlegen.

Afrika im Visier von Konzernen

Immer mehr Konzerne interessieren sich für den afrikanischen Kontinent. Die Weltbank sieht darin eine große Chance. Sie glaubt, dass Afrika den Sprung schaffen und eine wirtschaftliche Transformation in der Land- und Agrarwirtschaft erreichen kann. Der Markt könnte von 313 Milliarden in 2010 auf eine Billion US$ in 2030 in Sub-Sahara Afrika wachsen. Afrika ist im Visier von Investoren, aber auch von Landgrabbern. Nach Angaben der Land Matrix, die weltweit Landakquisitionen mit mehr als 200 Hektar erfasst, befinden sich sieben der Top 10 Zielländer in Afrika. Gleichzeitig ist Afrika der Kontinent mit mehr als 200 Millionen Menschen, die hungern (23 Prozent der afrikanischen Bevölkerung). Die Tendenz ist in den letzten Jahren steigend. 75 Prozent der Ackerböden sind mehr oder weniger stark degradiert. Der Klimawandel wird den Hunger, insbesondere in Afrika weiter verschärfen. Afrika steht also vor vielfältigen Herausforderungen.

Geldgeber und Regierungen fördern das Agrobusiness

Ein Wort, das immer wieder in Diskussionen über die Entwicklung der Landwirtschaft in Afrika fällt, ist der „Privatsektor“. Die Weichen werden auf allen Ebenen für die Förderung des Agrobusiness gestellt: Ob auf der Ebene von CAADP, multi-lateraler und bilateraler Geldgeber oder auf nationaler Ebene mit der Entwicklung von „Kornkammern“ oder „Wachstumskorridoren“. Eine Vielzahl von Initiativen haben in den letzten Jahren strategische Partnerschaften mit den Agrarkonzernen auf den Weg gebracht. Ganz vorne mit dabei ist unter anderen der norwegische Konzern Yara, der größte Düngemittelhersteller weltweit. Yara unterstützt die „Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika“ und die „Neue Vision für die Landwirtschaft“ des Weltwirtschaftsforums, hat das Konzept der Wachstumskorridore mit in die UN-Vollversammlung im Jahr 2008 eingebracht, ist im Board von „GROW Africa“ und Mitglied der „Neuen Allianz für Ernährungssicherung“ der G8.

Gefahr des Landgrabbings, insbesondere in Wachstumskorridoren

Alle diese Initiativen fördern das Agrobusiness. Sie drohen die Mehrheit von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen an den Rand zu drängen. Die Kleinbauernorganisation La Via Campesina spricht nicht umsonst von einer Vereinnahmung der afrikanischen Landwirtschaft durch Konzerne. Immer wieder wird propagiert, dass Afrika viel unbenutztes, brachliegendes oder degradiertes Land hat, das Investoren nutzen können. Dabei zeigen die vielzähligen Fälle von Landgrabbing, dass dies allzu häufig ein Mythos ist und mit der Förderung der großflächigen Landwirtschaft die Vertreibung von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen einhergeht. Die Gefahr von Landgrabbing besteht insbesondere dort, wo Wachstumskorridore existieren bzw. geplant sind.

Mittlerweile gibt es Wachstumskorridore unter anderem in Tansania, Mosambik und Burkina Faso. Die Weltbank plant weitere Wachstumspole in Madagaskar, Kamerun, Gambia und Kongo. Der tansanische Wachstumskorridor (SAGCOT) wurde als Partnerschaftsprojekt erstmals im Mai 2010 präsentiert. Er umfasst ungefähr 350.000 Hektar und sieht über einen Zeitraum von 20 Jahren Investitionen in Höhe von 3,4 Milliarden US$ vor. Partner sind unter anderem Monsanto, Syngenta, Unilever, DuPont, Yara, AGRA, die FAO, das Weltwirtschaftsforum, USAID und die Weltbank. Wenn man die Länderschwerpunkte von AGRA, GROW Africa und der Neuen Allianz übereinanderlegt, dann sind Burkina Faso, Äthiopien, Ghana, Mosambik, Nigeria und Tansania die Länder, die am stärksten das Agrobusiness fördern.

Falscher Schwerpunkt mit großen Risiken

Entwicklungsorganisationen sehen diese Flut an neuen strategischen Public-Private-Partnerships (PPP) sehr kritisch. Die PPPs beinhalten profitorientierte Konzernlösungen, die erhebliche soziale und ökologische Risiken mit sich bringen. Afrikanische Regierungen stärken mit nationalen Reformen die Eigentumsrechte von Investoren, wodurch der Zugang von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen zu Land, Saatgut und Wasser bedroht wird und sie in die Abhängigkeit von Saatgutkonzernen wie Monsanto treibt. Um die Produktion zu steigern wird einseitig auf einen höheren Einsatz von Düngemitteln gesetzt, statt durch bodenverbessernde Anbauverfahren die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern und die organische Substanz im Boden zu erhöhen. Dabei macht die Studie „Bodenlos“ deutlich, dass im weltweiten Durchschnitt der Stickstoffanteil mit 74 Prozent doppelt so hoch wie erforderlich ist – mit katastrophalen Folgen für Umwelt, Bodenfruchtbarkeit und Klima (siehe Global Soil Week).

Mehr öffentliche Investitionen in und gute Rahmenbedingungen für die kleinbäuerliche Landwirtschaft

Die Geldgeber und Regierungen müssen sich wieder stärker darauf konzentrieren, mithilfe von öffentlichen Geldern die kleinbäuerliche Landwirtschaft und ökologisch nachhaltige Anbauverfahren zu fördern und die richtigen Rahmenbedingungen für Kleinbauern und Kleinbäuerinnen zu schaffen. Dabei spielt die Verbesserung des Zugangs zu Land für Kleinbauern und Kleinbäuerinnen eine zentrale Rolle.

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