Ab Mittwoch laden in Sydney die Business 20 zum Gipfeltreffen – ein Zusammenschluss von Unternehmer/innen und Wirtschaftsvertreter/innen, der die G20, die Gruppe der 20 bedeutendsten Industrie- und Schwellenländer berät. Bei aller Diskretion sind sie sich ihrer Macht und ihres Einflusses bewusst: Auf ihrer Homepage b20coalition.org beanspruchen die B20, über sechseinhalb Millionen kleine, mittlere und Großunternehmen zu repräsentieren. Sie rühmen sich als einzigartige Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Regierung und Internationalen Institutionen und schreiben sich Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen auf ihre Fahnen.

Unter den 14 Vorsitzenden nationaler Wirtschaftsverbände, die auf der B20-Homepage vorgestellt werden, befindet sich genau eine Frau; unter den 30 Hauptrednern des Gipfels ganze drei, und in der 30-köpfigen Vorbereitungsgruppe finden sich immerhin sechs. Angewandte Geschlechtergerechtigkeit, so scheint es, genießt in diesem wichtigen Beratungsgremium der G20 keine sonderlich hohe Priorität.

Dazu passt, dass es um die Gleichstellung der Geschlechter im Erwerbsleben auch in den einzelnen G20-Ländern nicht zum Besten bestellt ist. Wie Oxfam in dem aktuellen Bericht „The G20 and gender equality – How the G20 can advance women’s rights in employment, social protection and fiscal policies” zeigt, werden Frauen in den G20-Ländern noch immer schlechter bezahlt als Männer. Verbesserungen gibt es, das ist nicht zu bestreiten, doch der Prozess ist quälend langsam. Bliebe das derzeitige Angleichstempo gleich, würde es 75 weitere Jahre brauchen, um Geschlechtergerechtigkeit im Arbeitsleben herzustellen. Das sind 75 Jahre, in denen Frauen weiterhin überbelastet und unterbezahlt sind, häufiger in Teilzeitjobs arbeiten und den Großteil der unbezahlten Arbeit leisten – etwa Kinderbetreuung oder Haushaltsmanagement. Je nach Land erbringen sie damit kostenlose Dienstleistungen im Wert von bis zu 60 Prozent des Bruttosozialprodukts. Wer Wirtschaftswachstum will, muss diesen Schatz heben.

Dazu gehört, Bedingungen zu schaffen, die geschlechtergerechte Bezahlung fördern. Dazu gehören Angebote zum Ausgleich zwischen Familien- und Erwerbsleben, die für beide Geschlechter attraktiv sind. Dazu gehört auch Kulturwandel und Denken in neuen Rollen, und dazu wiederum gehört Selbsthinterfragung.

Es würde den Business 20 gut anstehen, damit zu beginnen. In ihrer Beratungsarbeit und in ihrer Außendarstellung. Und es würde den G20 gut anstehen, aufs Tempo zu drücken.

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