Wie gefährlich sind Pestizide?

Ein Mediziner aus Wien untersucht zusammen mit seinem Team die Auswirkungen von Pestiziden auf Arbeiter/innen in Ecuador. Die Ergebnisse sind schockierend und beweisen, wie gefährlich Pestizide wirklich sind.
Von Christin Becker
Eine Arbeiterin auf einer Bananenplantage in Ecuador

Medizin kann wie Detektivarbeit sein: Indizien erkennen, Beweise sammeln und am Ende die richtigen Schlüsse ziehen. Mit diesen Methoden kämpft Dr. Hans-Peter Hutter, Professor an der MedUni Wien, bereits seit den 90er Jahren gegen den Einsatz von Pestiziden. Im September 2016 hat er zusammen mit der Organisation AEGU, ÄrztInnen für gesunde Umwelt, eine Studie veröffentlicht, die es in sich hat: Die Ergebnisse beweisen, dass Arbeiter/innen auf konventionellen Obstplantagen ein drastisch höheres Risiko haben, Krebs zu bekommen, als Arbeiter/innen auf ökologischen Plantagen.

Deutlich erhöhtes Krebsrisiko

Für die Studie untersuchten Hutter und sein Team 71 Arbeiter/innen in Ecuador. Die eine Hälfte arbeitet auf Plantagen, auf denen Pestizide eingesetzt werden, die andere Hälfte im ökologischen Landbau. Um das Krebsrisiko zu ermitteln, wurden den Arbeiter/innen Abstriche aus der Mundhöhle entnommen, die Zellen aufbereitet und auf kleinste Veränderungen untersucht. Für die Studie wählten Hutter und sein Team acht typische Kernanomalien oder Marker, die auf ein erhöhtes Krebsrisiko hindeuten – und waren geschockt: Bei den Arbeiter/innen, die Pestiziden ausgesetzt sind, waren alle acht Marker deutlich erhöht, teils um bis zu 155 Prozent. Damit haben sie ein deutlich höheres Risiko, an Krebsarten wie dem Non-Hodgkin-Syndrom oder Leukämie zu erkranken. „Wir hatten zwar vermutet, dass viele Marker erhöht sein würden, aber ein so klares Ergebnis haben wir nicht erwartet“, berichtet Dr. Hutter.

Damit beweist die Studie, wie drastisch auf konventionellen Obstplantagen Arbeits- und Menschenrechte – zu denen das Recht auf körperliche Unversehrtheit gehört – verletzt werden. Und sie wird zu einer schlagkräftigen Waffe, mit der Druck auf Entscheidungsträger ausgeübt  werden kann. Entscheidungsträger wie Lidl, Europas größte Handelskette. Gerade Lidl wirbt stark mit der Nachhaltigkeit seiner Produkte. Gleichzeitig nimmt der Supermarktgigant die Verletzung der Rechte von Plantagen-Arbeiter/innen in Kauf, die jene Früchte anbauen, die schließlich in den Regalen liegen. Was zählt, ist der Profit.

Oxfams Arbeit

Oxfam unterstützt daher Arbeiter/innen auf Ananas- und Bananenplantagen in Costa Rica und Ecuador beim Kampf um ihre Rechte. Im Oktober 2016 haben wir bei einem Besuch in Costa Rica Verbesserungen festgestellt: Noch im Frühjahr waren rund 90 Prozent der Beschäftigten bei Finca Once, dem wichtigsten Ananas-Lieferanten für Lidl, über Subunternehmer angestellt. Nur sechs Monate später haben rund drei Viertel der Arbeiter/innen direkte Arbeitsverträge mit Sozialversicherung und Mindestlohn. Das kann allerdings nicht über die weiterhin bestehenden Missstände hinwegtäuschen: Noch immer werden Gewerkschaftsrechte beschnitten und Pestizide versprüht, während Menschen in der Nähe arbeiten.

Vor diesem Hintergrund haben wir Lidl einen offenen Brief zukommen lassen. In diesem fordern wir den neuen Vorstandsvorsitzenden Jesper Hojer auf, sich in seiner neuen Funktion für den Ausbau von Lidls sozialem und ökologischem Engagement einzusetzen.
Den offenen Brief finden Sie hier: Ein offener Brief: Lidl lohnt sich nicht für jeden.

2 Kommentare

Der Mensch zählt nicht in diesen Regionen,was zählt ist der Profit , leider
So ist es in den armen Ländern , Menschen kann man austauschen , 90 % haben keine Arbeitsverträge und somit war dann .

Als Konsument hat man (meistens) die Möglichkeit zu wählen. Und wer - gemäß dieser Studie u.a. - Bio-Produkte (nicht nur Bananen - und am besten auch Fair-Trade) kauft, rettet (indirekt) auch Menschenleben. Also in diesem Fall konkret gesagt: „Ich kaufe Bio-Bananen, damit die Menschen in Ecuador nicht an Krebs sterben“.

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Supermärkte

Oxfam setzt sich für menschenwürdige Arbeits- und faire Einkaufsbedingungen in der Lieferkette von Supermarktketten ein.

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