Ein offener Brief: Lidl lohnt sich nicht für jeden

Jesper Hojer hat letzte Woche die Stelle als Vorstandsvorsitzender von Lidl übernommen und löst damit Sven Seidel ab. In einem offenen Brief fordert Oxfam den neuen Vorstandsvorsitzenden auf, sich in seiner neuen Funktion für den Ausbau von Lidls sozialem und ökologischem Engagement einzusetzen. Wir wollen durch den Brief neuen Schwung in den Dialog zwischen Oxfam und der Handelskette bringen und hoffen, dass Lidl in Zukunft seinem Nachhaltigkeitsanspruch gerecht wird. Denn in der Vergangenheit hat sich gezeigt: Lidl lohnt sich nicht für jeden.
Von Marion Lieser

Offener Brief an Jesper Hojer, Vorstandsvorsitzender Lidl

Sehr geehrter Herr Hojer,

anlässlich Ihrer Ernennung zum neuen Vorstandsvorsitzenden von Lidl übersenden Oxfam Deutschland sowie 26 weitere Make Fruit Fair!-Partnerorganisationen Ihnen die besten Wünsche. Wir hoffen, Sie werden sich in Ihrer neuen Funktion dafür einsetzen, dass Lidl sein soziales und ökologisches Engagement zukünftig ausbaut und seiner Verantwortung und Vorbildfunktion als größte Handelskette Europas stärker Rechnung trägt.

Oxfam Deutschland ist bereits seit einigen Jahren mit Lidl und den anderen großen Handelsketten in Deutschland im Gespräch und schätzt die bisherige Dialog- und Kooperationsbereitschaft von Lidl. Im Mai 2016 veröffentlichten wir die Studie „Süße Früchte, bittere Wahrheit“, in der wir umfangreiche Menschenrechtsverletzungen im tropischen Fruchtsektor aufdecken. Leider hat Lidl – von einzelnen Verbesserungen abgesehen – unseres Wissens noch keine angemessenen Maßnahmen auf den Weg gebracht, diese Missstände abzustellen. So werden in den von uns untersuchten Plantagen in Ecuador und Costa Rica, von denen Lidl Ananas und Bananen bezieht, weiterhin systematisch Gewerkschaftsrechte verletzt. Arbeiter/innen sind darüber hinaus noch immer hochgiftigen Pestiziden ausgesetzt.

Gleichzeitig wirbt Lidl weiterhin massiv damit, dass all seine Bananen und Ananas nachhaltig seien. Unsere Recherchen belegen, dass das nicht stimmt. Wir finden es nicht nachhaltig, wenn Menschen giftigen Pestiziden ausgesetzt, Gewerkschaftsrechte beschnitten und die Plantagenarbeiter/innen mit Hungerlöhnen abgespeist werden. Lidl lohnt sich offenbar nicht für jeden.

Sehr geehrter Herr Hojer, wir hoffen, dass Sie Ihre Erfahrungen im internationalen Einkauf von Lidl nutzen werden, mit Ihren Zulieferern in Zukunft effektiv die Stärkung von Arbeits- und Menschenrechten anzugehen. Hierzu war Lidl bislang leider nicht bereit.

Für uns ist es absolut nicht nachvollziehbar, warum Lidl seine Lieferanten in Ecuador nicht noch einmal explizit auf die zentrale Bedeutung von Gewerkschaftsfreiheit hinweisen möchte. Bei einer Umfrage unter Beschäftigten des Lidl-Lieferanten Matías in Ecuador hatten alle Befragten eingeschätzt, die Firmenleitung würde eine freie Gewerkschaft sicher nicht akzeptieren. Dabei ist Gewerkschaftsfreiheit in Ihrem Verhaltenskodex festgeschrieben. Offenbar klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander.

Gerne unterstützen wir Sie dabei, dass Lidl als größte Handelskette Europas seinem Nachhaltigkeitsanspruch gerecht werden kann. Wir hoffen deshalb auf einen stärkeren Austausch zu Möglichkeiten, wie Verbesserungen für Arbeiter/innen und Umwelt auf Ihren Zulieferplantagen erreicht werden können. In diesem Zusammenhang bedauern wir, dass unser Schreiben vom 22. Dezember 2016 bislang unbeantwortet geblieben ist. Einen konstruktiven Dialog halten wir für unverzichtbar und würden uns freuen, diesen fortzusetzen. Gerne vereinbaren wir zeitnah einen Termin für ein persönliches Gespräch mit Ihnen.

Für Ihre ersten Arbeitstage als Vorstandsvorsitzender und die anstehenden Herausforderungen wünschen wir Ihnen viel Erfolg.

 

Mit freundlichen Grüßen

Marion Lieser

Geschäftsführerin Oxfam Deutschland

9 Kommentare

Unmöglich!

Dreiste Lügen werden angeprangert.

Das ist echt unfassbar mir fehlen grade die passende Worte

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Oxfam setzt sich für menschenwürdige Arbeits- und faire Einkaufsbedingungen in der Lieferkette von Supermarktketten ein.

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